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News und Trends - Bedrohung durch "Sicherheitsfaktor" Mensch wächst - Ein Interview mit SAARLAND.BIZ

 


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Interview mit Rainmar Gnaehrich, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Vereinigung für die Sicherheit der Wirtschaft e.V. (VSW)

VSW ist die Vereinigung für die Sicherheit der Wirtschaft e.V. Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland mit Sitz in Mainz. Als Schnittstelle zwischen den Sicherheitsbehörden und der Wirtschaft steht diese gemeinnützige Vereinigung seit über 30 Jahren als Fachverband für Sicherheit Unternehmen und Körperschaften als unabhängige Selbsthilfeorganisation zur Verfügung. Die Vereinigung bietet interessierten Unternehmen vielfältige Unterstützung bei der Kriminalprävention, um Schäden und Mehrkosten zu verhindern. Ein wesentliches Instrument dabei ist eine Kommunikationsplattform für Sicherheitsfragen, durch die sich die einzelnen Betriebe untereinander zur Seite stehen können, um Bedrohungen für das Unternehmen abzuwenden oder zumindest zu minimieren (www.vsw-service.com).

SAARLAND.BIZ: Warum ist gerade heute das Thema Sicherheit so wichtig?
Rainmar Gnaehrich: Sicherheitsexperten in der Wirtschaft gehen davon aus, dass die Gefährdung der Wirtschaft durch kriminelle Handlungen heute schon ein sehr gefährliches Ausmaß angenommen hat, das in Zukunft sogar noch weiter wachsen wird. Diese Erkenntnis besteht nicht erst seit dem 11.September 2001, sondern zeigt sich auch durch die Ergebnisse der Sicherheits-Enquête der Zeitschrift für Informationssicherheit (WIK). Vor allem besteht ein hohes Risiko durch den "Sicherheitsfaktor-Mensch". Zu denken ist hier u.a. an Korruption, Mitarbeiterdiebstahl, Schäden verursachende Software aus dem Internet, Abrechnungsbetrug, Spionage, Bestechlichkeit und vieles mehr im betrieblichen Bereich.

SAARLAND.BIZ: Welche Gefahren können heute mit technischen Systemen ausgeschlossen oder minimiert werden?
Rainmar Gnaehrich: Zum Gefahrenausschluss möchte ich angesichts der angesprochenen jüngsten Erfahrungen an dieser Stelle nur anmerken: Wir können das Gefahrenpotenzial in einer offenen, flexiblen Gesellschaft nicht kontrollieren. Und wir können es auch nicht ausschalten. Die Zeiten sind und bleiben unsicher. Damit müssen wir leben. Nicht leben müssen wir ohne flexible und dynamische Antworten. Wo immer man im Sicherheitswesen steht, wir müssen alle Anstrengungen unternehmen der Bedrohung unserer Sicherheit ein adäquates Sicherheitsdenken und ein ausreichendes Präventions- und Schutzsystem gegenüber zu stellen. Auf die Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit der Gegenmaßnahmen kommt es an.

SAARLAND.BIZ: Wie hoch ist der Aufwand für die Sicherheit?
Rainmar Gnaehrich: Dafür gibt es keine Daumenregel. Praxiserprobte Standard-Sicherheitsmaßnahmen, die nach dem aktuellen Stand der Technik umzusetzen sind, sollten immer einfach und arbeitsökonomisch realisiert werden. Viele Vorteile ergeben sich zum Beispiel im Bereich der IT-Sicherheit durch eine Orientierung am IT-Grundschutzhandbuch des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik BSI. Das hier dargelegte Sicherheitsniveau ist für den normalen Schutzbedarf ausreichend und angemessen.

SAARLAND.BIZ: Welche Branchen sind besonders gefährdet?
Rainmar Gnaehrich: Alle Branchen unserer modernen Gesellschaft, die ein äußerst attraktives Operationsfeld für internationale Kriminalität und Terrorismus darstellen. Die Vielfalt der denkbaren Schäden erschwert eine systematische Vorbereitung und das Setzen von Prioritäten bei Maßnahmen und Investitionen, sowohl in der Wirtschaft als auch im öffentlichen Sektor. Da sich der Staat von fast allen Infrastrukturen getrennt hat, sind völlig neue Gefahren-Qualitäten für kritische Infrastrukturen gegeben.

SAARLAND.BIZ: Was verstehen Sie unter "kritischen Infrastrukturen"?
Rainmar Gnaehrich: Das sind Organisationen oder Einrichtungen mit lebenswichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Störung für größere Bevölkerungsgruppen nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe oder andere dramatische Folgen eintreten.

SAARLAND.BIZ: Welche Bereiche sind das in erster Linie ?
Rainmar Gnaehrich: Zu denken ist an die Telekommunikation, Energieversorgung (Elektrizität, Öl, Gas), Bank- Finanz- und Versicherungswesen, Transport und Verkehrswesen, Gesundheitswesen (einschließlich Lebensmittel und Trinkwasserversorgung), sowie Notfall- und Rettungsdienste, Regierung und öffentliche Verwaltung. Zu denken ist aber auch an andere Bereiche in einer Art Kettenreaktion von Störungen - wie die jüngsten Stromausfälle andeuten.
Die VSW ist in enger Kooperation mit den Sicherheitsbehörden kontinuierlich bemüht, die unterschiedlichen Sicherheitsinteressen zu moderieren. Dieses Expertennetzwerk hat ein Forum für Risikomanagement entwickelt. Hier kann man Mitglied werden. Wir hören immer wieder, dass z.B. vielen IT-Verantwortlichen nicht einmal mehr die Zeit bleibt erforderliche Sicherheits-Patches zu erkennen und einzuspielen. Interessierte Firmen finden unter www.bsi.de/fachthem/kritis/vorgehen.htm weitere Informationen zu diesem Thema. Hier gibt es auch einen ersten Sicherheits-Check.

SAARLAND.BIZ: Wer ist Mitglied im VSW ?
Rainmar Gnaehrich: Das sind mehr als 125 Firmen, darunter viele namhafte Unternehmen wie BASF,Proctor & Gamble, SAP, Dresdner Bank, Daimler Chrysler und auch kleine Unternehmen wie ObraSafe, St.Ingbert.

SAARLAND.BIZ: Noch eine Empfehlung zum Schluss ?
Rainmar Gnaehrich: Vielleicht noch ein kurzer Blick über die Landesgrenzen. Das Bayerische Wirtschaftsministerium fördert mit dem "Mittelständischen Technologie-Beratungs-Programm" kleine und mittelständische Unternehmen bei Maßnahmen zur Erhöhung der IT-Sicherheit. Diese Beratungszuschüsse können auch Start-up-Unternehmen in der Gründungsphase erhalten. Ich denke, eine gute Maßnahme, das junge Vorsprungswissen möglichst lange werthaltig für die Region zu bewahren.

© saarland.biz 2003